„Warum halte ich Schafe?“ - Einblick in die Schafhaltung im 21. Jahrhundert

„Warum halte ich Schafe?“ Mit dieser Frage startete unser Clubpräsident Dr. Karsten Heyner in den Clubabend zum Thema moderne Schafhaltung im 21. Jahrhundert. Zu den Schafen ist er zufällig gekommen. „Ich war in meiner Ausbildung auf Rindviecher fixiert. Der Zufall wollte es, dass ich zum Lehrabschluss vom Leiter der Ausbildungseinrichtung zwei Zuchtlämmer geschenkt bekam. Ich war nur begrenzt erfreut aber damit hat dann alles begonnen“, schilderte Karsten Heyner seinen ungewöhnlichen Einstieg in die Schafzucht. Mittlerweile betreibt er mit dem Landhof Heyner eine Schafzucht mit 800 Tieren auf 125 ha Weidefläche. Das Zitat von Albert Schweitzer „Ohne Ehrfurcht vor dem Leben hat der Mensch keine Zukunft“ ist hierbei seine Philisophie für eine nachhaltige, extensive Schafhaltung im Sinne des Tierwohls.

In seinem Vortrag hat er uns mitgenommen durch das Jahr eines Schäfers, welches nach Weihnachten mit dem Einstallen der Herde beginnt. Danach folgt das Lammen, bei dem die Muttertiere den Nachwuchs gebären. Ende Mai beginnt mit dem Ausstallen die Weidephase der Tiere. Unterstützt von seinen vier Hünden zur Hüte und Führung zieht die Herde von Weidefläche zu Weidefläche. Durch das regelmäßige Abweiden werden so die Wiesen vor Verbuschung geschützt und so in ihrer ursprünglichen Form bewahrt. Die Böcke in der Herde sorgen für den Nachwuchs für das nächste Jahr, bevor zum Jahresende die Einstallung wieder beginnt. „Ansonsten haben die Böcke nichts zu sagen. Die Herde wird von den Muttertieren geführt“, erklärt Karsten Heyner das Sozialverhalten der Tiere. Ein weiteres Standbein des Landhofs ist neben der Landschaftspflege natürlich auch die Fleischproduktion. Um die Wege kurz und damit den Stress der Tiere gering zu halten, schlachtet Karsten Heyner selbst vor Ort und vermarktet das Fleisch direkt.

Neben der Beweidung und Schlachtung fallen eine ganze Reihe weitere Aufgaben an. Beginnend mit der Schafpflege in Form von Scheren, Klauen schneiden oder impfen ist auch Anbau, Mahd und Einbringung von Grünfütter für den Winter eine wesentliche Aufgabe des Schäfers. Daneben fordern die zunehmenden Aufgaben für die Verwaltung immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Weitere Herausforderungen neben dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck sind beispielsweise auch die Verkotung von Weideflächen durch Hunde, wodurch Krankheiten übertragen werden können oder falsch verstandener Tierschutz durch Spaziergänger. So berichtet Heyner von unzähligen Anrufen, die bei liegenden Schafen auf der Weide ein schweres Leiden vermuten, wo sich die Tiere einfach nur ausruhen wollen.

Nach dem Start mit zwei Schafen und der damit anfangs gedämpften Begeisterung ist Karsten Heyner mittlerweile ein leidenschaftlicher Schäfer. Nach dem lebhaften Vortrag ergaben sich so noch viele  Fragen darunter auch „Was mag das Schaf am liebsten?“ - „Alles was, das Nachbarschaf auch mag. Es ist halt ein Herdentier“, beantwortete er lachend die letzte Frage des Abends.

Herzlichen Dank an unseren Clubpräsidenten für den spannenden Einblick in die Schafzucht und die Arbeit einer Schäferei.